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3. Internationales Falknereifestival
Al Ain, Abu Dhabi, 10.-18.12.2011

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Ich möchte hier einen Bericht zum 3. Internationalen Falknereifestival im letzten Dezember geben, zu dem ich
alsVertreter unseres Verbandes angereist war.
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Zum besseren Verständnis der Geographie sei einleitend gesagt, dass Abu Dhabi (arab. für „Vater der Gazelle“) die
Hauptstadt des gleichnamigen, flächenmäßig größten „Fürstentums“ der sieben Vereinigten Arabischen Emirate ist. Das
Falknereifestival fand aber nicht in dieser Küstenstadt, sondern ca. anderthalb Autostunden weit im Landesinneren statt,
in der Oasen-Großstadt Al Ain („Das Auge“). Hier befanden sich die verschiedenen Hotels, in denen die Gäste
untergebracht waren, sowie das Jahili-Fort, in dem vom 15.-18.12. das eigentliche Festival stattfand.
In der ersten Wochenhälfte aber war speziell für die früh Angereisten ein Wüstencamp errichtet worden. Gleich am
Sonntagmorgen nach meiner späten Ankunft Samstag Nacht ging es also etwas unausgeschlafen mit dem Shuttle-Bus in
Richtung der Dünen. Vorwegzuschicken ist vielleicht, dass man als deutscher Stechuhren-Maschinenmensch die
arabische Zeiteinteilung (alles ein bis zwei Stunden später als auf dem - zumeist nicht vorhandenen - Plan...) zuerst
befremdlich findet, der Ärger und die Anspannung aber bald einem Gefühl heiterer Gelassenheit und
Schicksalsergebenheit weicht.
Es ist an dieser Stelle nicht möglich, alle Eindrücke wiederzugeben, die an so einem Ort auf einen mitteleuropäischen
Falkner einstürzen. Viele Greifvögel seltener Arten, Trainigsflüge der Jagdfalken auf Drachen, Ballons und sogar
ferngesteuerte Flugzeuge, traditionelle Beduinentänze sowie das von den einheimischen Frauen zubereitete Essen zogen
alle Besucher in ihren Bann.
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Ein Highlight meines ganzen Besuches fand gleich an diesem ersten Tag statt: Durch Verlosung waren Plätze in
traditionellen Jagdexpeditionen vergeben worden, die mit Kamelen, Pferden, Hunden und Falken in die Wüste
aufbrachen - ich stand natürlich nicht auf der Liste. Aber ein paar Fotos vom Ausritt der Karawane wollte ich dennoch
machen. Dort angekommen, stellte Dr. Nick Fox aus England fest, dass so mancher Teilnehmer nicht rechtzeitig zum
Kamel-Sammelpunkt gefunden hatte. Meine Chance witternd, ging ich vorsichtig ein paar Schritte nach vorne, und nach
einem mitleidigen Blick von Dr. Fox saß ich auch schon auf meinem Dromedar... Gleich drei dieser recht eigensinnigen
und vor allem unbequemen Geschöpfe musste ich als „Truppführer“ mit einer Gerte steuern, was nach einer längeren
Eingewöhnungsphase dann auch gut gelang. Insgesamt sechs Stunden ritten wir durch das Sandmeer, immer die
Fährtensucher auf den feurigen Araberpferden im Blick. Kurz vor Sonnenuntergang fanden wir Wild und eine Falke
konnte einen tollen, erfolgreichen Flug auf einen Wüstenhasen zeigen. Nachdem wir, schon bei Vollmond und mit kaum
mehr spürbarem Hinterteil, ins Camp zurückgekommen waren, gab es noch einen Tee mit den stolzen Kamelführern und
Spurenlesern.
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Der Montag stand ganz im Zeichen des „National Avian Research Center“, einer riesigen Zuchtstation in der Wüste, in
der die vom Aussterben bedrohte Houbara oder Kragentrappe in großen Zahlen und mit unglaublichem finanziellem und
personellem Aufwand nachgezogen und wieder ausgewildert wird. Dies dient einerseits, und das wurde ehrlich benannt,
dem Bereitstellen von Beizwild, andererseits aber auch der erfolgreichen Wiederansiedlung. Ebenso soll damit der
Import der bedrohten Vögel aus dem verarmten Pakistan unterbunden werden. Uns Falknern und Naturschützern aus
Europa kam der Gedanke, dass mit solch einem Projekt alle unsere Rauhfußhühner wohl in 10 - 15 Jahren von der
Roten Liste entlassen werden könnten - wenn die Geldgeber und Regierenden entsprechende Prioritäten setzen würden.
In Arabien ist praktisch jeder höhere Beamte oder gar Scheich Falkner und damit an einer reichen, bejagbaren Fauna
und auch sonst intakten Natur mehr oder weniger interessiert - das kann durchaus auch eine Chance für den
Naturschutz sein.

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Am Dienstagmorgen nahm ich als VDF-Vertreter am IAF-Meeting teil, bei dem viele bemerkenswerte
Greifvogelschutzprojekte und Erhaltungsbemühungen für die weltweite Falknerei vorgestellt wurden. Unter dem
Eindruck der geglückten UNESCO-Anerkennung in etlichen Staaten ließ das die Falknergemeinschaft hoffnungsvoll in
die Zukunft schauen. Mit einem abendlichen Besuch im Wüstencamp klang der Tag aus. Besonders schön war hier ein
Beispiel für praktische Völkerverständigung mit viel Humor: Die Araber tanzten zu tschechischer Jagdhornmusik mit
Schweizern und Deutschen griechischen Sirtaki - Initiator der „Jam Session“ war ein älterer Wüstensohn, dem die
Melodie des „Jagd vorbei - Halali“ so gut gefiel, der er sie unter lautem Gesang in traditionellen Beduinentanz umsetzte.
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Der Mittwoch war einem Ausflug nach Abu Dhabi gewidmet. Hier kann man am besten die unglaubliche Entwicklung
des Landes nachvollziehen und bestaunen: Kein Gebäude ist älter als 50 oder höchstens 60 Jahre. In der Mitte des
vorigen Jahrhunderts standen dort nur ein paar einfache Fischer- und Perlentaucherhütten, heute gigantische
Wolkenkratzer und internationale Finanzzentren, umgeben von üppigen Gärten und Palmenhainen, wo jeder einzelne
Baum ein Bewässerungsanschluß hat - unser Öldurst macht´s möglich. Der Höhepunkt der Tour war die 1997
eingeweihte „Große Moschee“ - ein unglaublicher Prachtbau, der die Verständigung und den Dialog zwischen dem
Islam und anderen Religionen fördern soll. Insgesamt 1 Millarde Euro hat das Gebäude ganz aus mazedonischem
Marmor und 24 karätigem Gold gekostet. Nicht weniger eindrucksvoll ist der für alle Besucher außerhalb der
Gebetszeiten geöffnete Innenraum. Er enthält den größten Teppich der Welt, der in Form dreier gigantischer Rollen mit
drei Großraumflugzeugen aus dem Iran geliefert und vor Ort zusammengefügt wurde.
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Am Donnerstag wurde dann das eigentliche Festival im Jahili Fort eröffnet - das Wüstencamp war am Abend zuvor
abgebrochen worden, die Falkner und Vögel in die Stadt umgezogen.
Wichtige Persönlichkeiten wie Mr Roger Upton und der Vorsitzende des „Emirati Falconers Club“ sprachen die
Eröffnungsworte. Ich hatte trotz „Standdienst“ die Möglichkeit, mir das Gelände viele Stunden lang anzuschauen,
darunter die Zelte der fast 80 Ausstellernationen, die Verkaufsstände und die Arena, in der Flugvorführungen und
Präsentationen stattfanden. Am Abend gab es für alle „sponsored delegates“ ein Gala-Diner in der Arena, das keinerlei
Wünsche (außer vielleicht einem kühlen Bier) offen ließ, so wie übrigens die gesamte Verpflegung, die Versorgung mit
sauberem Trinkwasser und der Service des wirklich immer freundlichen Personals ganz hervorragend waren. Nach
einem ereignissreichen Tag wartete die mittlerweile zur Tradition gewordene Wasserpfeife in der Hotelbar mit den
anderen deutschen Mitstreitern, aber auch Falknern anderer Nationen, mit denen wir schnell Freundschaft schlossen.
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An dieser Stelle sollte ich vielleicht anmerken, dass außer mir nicht ein Falkner vom VDF anwesend war, was ich etwas
schade fand. Aber nach Torsten Hambergers Auskünften bezüglich der letzten Festivals in England hatte ich damit schon
gerechnet - das Interesse vor der Veranstaltung ist immer groß, aber konkrete, eigene Bemühungen teilzunehmen gibt
es dann fast nie. Die ganze Woche wäre für einige hundert Euro zu haben gewesen, da die Flüge recht günstig waren
und es sogar vielfältige kostenlose Übernachtungs- und Verpflegungsmöglichkeiten im Wüstencamp gab. Ich traf
Falkner vom DFO, die das ganze völlig selbstständig und kostengünstig als „Gemeinschaftsurlaub“ organisiert hatten und
mit Freunden, Kindern und Familien angereist waren - nachahmenswert, wie ich finde, aber für unsere Mitglieder
offenbar nicht von Interesse. Die Anwesenden waren sich jedenfalls darüber einig, ein einmaliges, so nicht
wiederkehrendes falknerisches Ereignis miterlebt zu haben.
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Ebenso möchte ich hier nicht unerwähnt lassen, dass die Zusammenarbeit unter den deutschen Falknerverbänden
überaus freundschaftlich und konstruktiv war. Um ehrlich zu sein, kann der VDF dem DFO an dieser Stelle sehr
dankbar sein, da er mit minimalem Aufwand eine dem DFO und ODF gleichwertige Präsentation erfahren hat. Hierbei
gilt es zu berücksichtigen, dass der DFO mit Dutzenden Mitgliedern angereist war und somit sowohl bei der
Vorbereitung als auch der Standbetreuung den Löwenanteil der Arbeiten übernommen hat, und zwar deutlich über seine
prozentualen Mitgliederanteile hinaus.
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Auch am Freitag stand die Betreuung des deutschen Zeltes sowie das Erkunden des Festivalgeländes im Vordergrund.
Es war wunderbar zu sehen, wie gut die freundschaftliche Zusammenarbeit verschiedenster Nationen auch ohne
Kenntnis der Landessprache funktionieren kann, wenn eine gemeinsame, verbindende Passion, Toleranz und
Aufgeschlossenheit den gegenseitigen Umgang bestimmen. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir mir hierbei
Begegnungen mit Falknern aus dem Tschad, Pakistan oder Afghanistan, die viel Wissenswertes aus ihren
Heimatländern zu berichten wußten und voller Begeisterung von der dortigen Falknerei erzählten, obwohl die
Lebenssituation weit schwieriger ist als hier bei uns. Ihr Optimismus und ihre Lebensfreude haben mich beeindruckt.
Abends stand dann eine Parade der Nationen an, bei der sich alle angereisten Länder in traditioneller jagdlicher
Landestracht präsentierten.
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Der Samstag als Abschlußtag des Festivals war von einer großen Abschlußparade und von zahlreichen Abschieden
geprägt. Da ich an diesem Tag keinen Standdienst mehr hatte, fand ich ausgiebig Zeit, mich von neugewonnenen
Freunden und einer faszinierenden Kultur zu verabschieden bzw. die Weichen für ein Wiedersehen zu stellen, zumal der
Scheich von Abu Dhabi während der Abschlußveranstaltung alle Anwesenden für 2013 wieder an den selben Ort
eingeladen hatte.
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Noch in der Nacht von Samstag auf Sonntag machte ich mich wieder auf den Heimweg und landete am frühen Morgen
unbeschadet in Frankfurt am Main.
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Das Falknereifestival in Abu Dhabi war für alle Teilnehmer ein großartiges Erlebnis, das eindrucksvoll gezeigt hat, wie
unsere Passion rund um die Welt gelebt wird. An dieser Stelle möchte ich unserem Bundesgeschäftsführer Torsten
Hamberger einen ganz herzlichen Falknersdank aussprechen, da er mir den unvergesslichen Besuch erst durch die
freundschaftliche Überlassung seines Tickets ermöglicht hat. Weiterhin gilt mein Dank allen Mitgliedern des VDF, die
mir diesen schönen und verantwortungsvollen Auftrag als Verbandsdelegierter gemeinsam übertragen haben.
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Falknersheil,
André Maslo, LV Thüringen
